Die Kirchen von Niederfeulen
Bevor wir uns mit der heutigen, hundertjährigen Kirche beschäftigen, soll nachstehender Zusammenschnitt, die beiden ersten, von den Einwohnern der Sektion Niederfeulen errichteten Kapellen, vorstellen.
Verschiedene Artikel sind dem Buch “François Decker Feulen 963 - 1963“ entnommen und wurden mit dem Einverständnis des Autors veröffentlicht.
Die erste Kapelle
Am 21. Januar 1628 beschlossen die Einwohner von Niederfeulen, eine Kapelle in ihrer Ortschaft zu errichten “ umb daselbsten ihre Andacht, weyllen sie etwas weith von der pfahrkirchen gesessen, beyzeiten Ungewitters, und andere auss altertumb oder auss Krankheit nicht dahin kommen in selbiger Kirche zu verrichten” . Der Kostenanschlag betrug 26 Gulden. Hierzu lieferten:
Die Koetzen Erben: einen Teil des Bauplatzes.
Wiltges Heynrich 9 Stüber
Müntges Johann 12 Stüber
Britzen Johann 7 Stüber
Brothwendisch Johan 7 Stüber
Treeschen Peter 7 Stüber
Schannen Thomas 6 Stüber
Wiltges Peter in Boumert 6 Stüber
der Junge Kommer Johann nihil
Schleichen Clauss 12 Stüber
Loeschen Adam 9 Stüber
Barthels Margret nihil
Koders Pauluss 7 Stüber
Feypell Johann 14 Stüber
Hitzen Johann 12 Stüber
Dhur Johann, Linster Meier 14 Stüber
Vöers Michell 9 Stüber
Blames Theiss 7 Stüber
Schumacher Clauss nihil
Jenten Johann 7 Stüber
Vönsters Anne nihil
New Clessgen 6 Stüber
Bruell Peter 6 Stüber
Koetzen Peter 14 Stüber
Hennes Friedrich 14 Stüber
Mergen Theis 7 Stüber
Ewen Engel 5 Stüber
Schreiner Johann 6 Stüber
Theiss Johann 12 Stüber
Heyntzen Heynrich 12 Stüber
Footz Johann, Zendner 9 Stüber
Schumachers Wilhelm nihil
Jentges Haus nihil
der alt Schumachers Clossgen nihil
der junge Schumachers Clossgen 5 Stüber
Thom Clauss 6 Stüber
Thieltges Marichen unbst.
Koders Haus in der Gasse genent Creutzombt 6 Stüber
Goederts Johann im Creutzombt 6 Stüber
Bruell Johann im Creutzombt nihil
Ewen Michel im Creutzombt 5 Stüber
Stüber = alte rhein.-westfäl.Münze
nihil = nichts
Alle sollen am Bau und an den Reparaturen gleichgehalten werden, alle sollen Platz in der Kapelle haben, auch die, welche nichts beigesteuert haben, besonders aber sollen alle Platz auf dem Speicher und “übergebauw” haben um Kisten oder “anders zur vertrauung ihrer möbeln” hinzustellen. Der Akt wurde im Hause des Linster Meiers, Johann Dhur, geschrieben durch den geschworenen Schreiber und Schöffen von Useldingen, Bern. Adami. Weil die Erben Koetzen den Bauplatz teilweise stellten, erhielten die jungen Eheleute Koetzen Claesgen und Susanna die Erlaubnis “eine Kist oder Schrein in die Kirch zu setzen”.
Nach dem Konzil von Trient wurden in den Pfarreien regelmäßig Visitationen abgehalten, d.h. der Weihbischof von Trier oder sein Stellvertreter sowie die Vertreter des Bistums besichtigten die einzelnen Kirchen der Pfarrei in Gegenwart der Pfarrer und der Sendschöffen (heute Mitglieder des Kirchenrates) und verfassten hierzu detaillierte Berichte über das Leben in der Pfarrei und die dazugehörenden öffentlichen Gebäude .
Eine solche Visitation fand am 29. November 1628 in Feulen statt. Zu dieser Zeit befand sich die 1. Kapelle in Niederfeulen im Bau.
Aus dem Visitationsbericht vom 20.April 1686 geht hervor, dass die Pfarrei zu diesem Zeitpunkt 300 Kommunikanten (Einwohner, die das Sakrament der hl. Kommunion empfangen hatten) zählte. Die Kapelle in Niederfeulen wurde wie folgt beschrieben: Die Kapelle hat kein Gebälk, keinen Steinboden, keine Einkünfte ausser 2 Schobern Heu. Patrone sind der hl. Rochus und die hl. Lucia. Der dort gehaltene Dienst wird dem Pfarrer von den Einwohnern bezahlt. Die Kapelle hat keine Ornamente, keinen Kelch. Die Einwohner beschweren sich, dass von irgendwelchen Unbekannten Latten aus dem Gebälk weggenommen worden sind, und sie verlangen deren Rückgabe.
Nach dieser Besichtigung wurden folgende Verordnungen veranlasst: Die Einwohner von Niederfeulen, die Bretter aus dem Gebälk ihrer Kapelle genommen haben zum eigenen Gebrauch, tragen wir ernstlich auf, innerhalb 14 Tagen, von heute an gerechnet, alles wiederzuerstatten, ansonsten die weltliche Gewalt angerufen würde, wodurch größere Unkosten und Schande entstehe. Allen übrigen Einwohnern tragen wir auf, einen Kelch und alle anderen notwendigen Ornamente zu beschaffen, die Kapelle zu reinigen und, da Pfarrer und Pfarrleute den alten Gewohnheiten treu bleiben wollen, wird dieses Verhalten ihnen gern gestattet. Ein gestiftetes Jahrgedächtnis von zwei Messen, davon eine als Singmesse, stammt von den Erben Reysers aus Niederfeulen, anhand eines Kapitals von 260 kleinen Gulden, woraus der Pfarrer jeweils durch den Momper bezahlt wird. Daneben besitzt die Kapelle 12 Morgen Eigenland “auf Breholz Knap” unterhalb des Feulener Weges, aus dem sie Zinsen bezieht.
Am 29.Mai 1712 fand in Grosbous eine Visitation für Feulen statt. Der H. Kaplan Johann Rudolf Wanterscheidt, vorgeladen mit den Sendschöffen, erschien am 29. Mai 1712 in Bous, anstelle des H. Pfarrers, der seit kurzem sein Pfarramt angetreten hat. Die Kapelle in Niederfeulen wurde wie folgt beschrieben: Sie liegt im Dorfe und ist in gutem Zustand. Patronin ist die hl. Lucia. Sie besitzt einen kupfernen Kelch mit silberner Kuppe, zwei Kaseln (Messgewänder), eine Albe (langes weißes Messhemd), ein Messbuch, eine Glocke, einen konsekrierten Altar.
Die Sendschöffen zeigen auch das Register der Kapelle vor, worin Einnahmen von 11 Taler 9 ½ As stehen, worüber aber für das abgelaufene Jahr noch keine Abrechnung vorliegt. Zuletzt gibt es keine Beschwerden noch Streitigkeiten zu berichten, es sei denn, dass Coben Margaretha sich weigert, mit ihren Ehemann ehelich zusammenzuleben. Ebenso dass eine gewisse ledige Anna Margaretha Eyschen aus Niederfeulen mit einem Ehemann Ehebruch begangen habe, was sie vor den Sendschöffen eingestand, nachdem sie überführt war, wofür sie auch vom Gericht bestraft wurde, doch keine der vorgeschriebenen kirchlichen Strafen erlitten habe, die zur Abschreckung ähnlicher Untaten anzuwenden sind. Hierauf wurden folgende Verordnungen veranlasst: Die jährliche Abrechnung sowohl für die Mutterkirche als für die Kapellen soll sehr genau jährlich geschehen in Beisein des H. Pfarrers und der Sendschöffen. Die Sendschöffen sollen über die Auswüchse wachen, sie melden und sie verbessern. Damit die gewisse Anna Margaretha Eyschen, die Ehebrecherin, zum Schreck der andern, eine öffentliche Strafe erhalte, soll sie bei einem feierlichen Gottesdienste die Buskerze tragen, bevor sie beichtet und kommuniziert.
Auszug aus dem Visitationsbericht vom 15. November 1729 .
Ungefähr 450 Kommunikanten. Die Kapelle in Niederfeulen ist in einigermaßen gutem Zustand. Sie hat einen konsekrierten Altar, einen Kelch mit silberner, vergoldeter Kuppe, mit kupfernem, vergoldetem Fuß, dazu die notwendigen Paramente. Patron ist der hl. Rochus. Aus jährlichen Einkünften und aus Pensionen zieht sie 13 Taler. Auch beschwert der Pfarrer sich, dass die Pfarrleute ihre Kinder nur sehr nachlässig zur Schule schicken und dies besonders zur österlichen Zeit. Ebenso vernachlässigen sie, ihre Mägde und Knechte zu schicken, damit diese in dem zur Beicht und zur Kommunion Notwendigen unterrichtet werden.
Die Schuldner unter den Pfarrleuten, sowohl gegenüber der Pfarrkirche, als auch den Filialen, haben sich durch Lügen ihrer Pflichten entzogen. Sie sollen nicht so träge im Bezahlen sein, solchen Zank und solche Streitereien zu vermeiden suchen, so dass in Zukunft nichts mehr hierüber gesagt zu werden brauche. Sollten sie jedoch innerhalb von drei Jahren ihre Schulden noch nicht bezahlt haben, so schreite man zum richterlichen Verkauf der Güter, die mit Hypotheken zugunsten der Pfarrkirche oder der Kapellen beschwert sind, oder die Schuldner sollen von staatswegen zur Zahlung gezwungen werden.
Auszug aus dem Bericht über eine Visitation vom 20. August 1738.
Pfarrer J. L. Guillaume erschien vor der Synode im Pfarrhaus in Vichten und berichtete über seine Pfarrei, die aus den Dörfern Ober-und Niederfeulen, Ober-und Niedermertzig, sowie dem Bauernhof Ringel an der Sauer bestand; mit der Einschränkung, dass Obermertzig nur ein Jahr über das andere von ihm verwaltet werde.
Die Kapelle in Niederfeulen liegt im Dorfe, ist in erbärmlichen Zustand; Patronin ist die hl. Lucia. Sie hat einen konsekrierten Altar, einen Kelch mit silberner vergoldeter Kuppe und die nötigen Paramente. An jährlichen Einkünften nimmt sie 10 Taler 25 As ein, an Gaben 3 bis 4 Reichstaler.
Sendschöffen in Feulen waren Johann Welter, Nik. Wanderscheid, Wilhelm Plannus, Peter Hemmer, Peter Mergen, Johann Jacob, Nik. Dresch und Quirin Wanderscheid, alle vereidigt, welche versichern, dass der H. Pfarrer sein Amt gut verwaltet, genau wie auch der Lehrer, dass die Jahrgedächtnisse, deren es 40 gibt, vorschriftsmäßig gehalten werden und dass es keine Skandale gibt.
Der Bericht der Visitation vom 9. Juni 1750 ist größtenteils gleichlautend mit demjenigen vom 20. August 1738. Da durch Uneinigkeit in Niederfeulen die Reparatur der Kapelle, die für die Jahre 1714-1717 geplant war, nicht zur Durchführung kam, fassten die Einwohner nun den Plan eines Neubaus ins Auge. Aber wieder waren sich die Einwohner nicht einig. Am 10.Dezember 1751 gab Niederfeulen, dessen Dorfkapelle “gantz und zumahlen baufällig” ist, Prokuration gegen jene Dorfgenossen, die sich deren “ auferbauwung” widersetzten.
Die zweite Kapelle
Am 1. April 1754 ertauschte die Gemeinde von Michel Koetz einen Platz in dessen Garten zum Bau der neuen Kapelle gegen den Platz der alten Kapelle und ein Feld. Es unterzeichneten: Anton Beck, als Zentner, Michel Eicher modo Kötz, als Besitzer des Platzes, Johann Schumer, als Bevollmächtigter der Gemeinde, und Hans Peter Heintz, als Meier. Die Herrenbewilligung durch Charles Christophe Marquis du Bost du Pont d’Oye datiert vom 2. Dezember 1754. Die Kapelle wurde im selben Jahr gebaut und über dem Portal die Jahreszahl 1754 eingelassen.
Im Visitationsprotokoll vom 1. Oktober 1772 wurde festgehalten: In den Filialen fehlt in Niederfeulen der Altarstein, der gebrochen ist. Verordnung: Wir interdizieren den gebrochenen tragbaren Altarstein der Kapelle Niederfeulen und wir wollen, dass ein neuer angeschafft werden soll. Das fehlende Linnen in den Kapellen Ober- und Niederfeulen soll angeschafft werden.
Das dritte Gotteshaus von Niederfeulen
Gegen Mitte des 19. Jahrhundert wurde sowohl vom Kirchenrat als auch vom Gemeinderat mehrmals über den schlechten Zustand der Kapelle von Niederfeulen berichtet. Durch die stetig wachsende Bevölkerung wurde die Kapelle allmählich zu klein und konnte die Kirchgänger nicht mehr fassen, außerdem waren die Kirchenstühle fast alle unbenutzbar geworden, der Turm und die Fenster drohten bei starkem Wind einzustürzen.
Dank einer Hauskollekte und einem Zuschuss aus der Kirchenfabrikskasse von Oberfeulen, konnten Reparaturen an der Kapelle ausgeführt und die alten Stühle durch neue ersetzt werden. Wegen der schlechten Bauweise und der schon erwähnten Einsturzgefahr kam eine Vergrößerung der Kapelle vorerst nicht in Frage. Die Gemeinderatsmitglieder der Sektion Niederfeulen dachten eher an den Bau einer neuen Kirche ”in der alle Pfarrkinder Platz finden könnten“.
Zur gleichen Zeit befasste sich der Kirchenrat mit einer Vergrößerung der Pfarrkirche. Die Pläne wurden vom Architekten Demander aus Diekirch erstellt. Diese Vergrößerung wurde vom Gemeinderat am 23.November 1876 einstimmig gebilligt. Der Schöffenrat versuchte jedoch in einem Schreiben vom 26.November 1878 den Herrn Bischof umzustimmen und die Genehmigung für die Vergrößerung der Pfarrkirche bis auf weiteres aufzuschieben.
Dies war der Anfang einer nicht gerade mit Ruhm bekleckerten Zeit für die Einwohner beider Ortschaften. Ein Briefwechsel, ungefähr 200 Seiten lang, an den Kirchenrat, an das bischöfliche Ordinariat, an den General–Direktor des Innern, an die Regierung, an die Abgeordnetenkammer sowie an verschiedene Bürgermeister, auch in fernerer Umgebung, endete schließlich mit dem Bau einer neuen Kirche in Niederfeulen.
Was waren nun die eigentlichen Ursachen, welche diesen Streit herbeiführten?
1. Niederfeulen hatte, im Gegensatz zu Oberfeulen, die doppelte Einwohnerzahl und wollte aus diesem Grund die Verlegung der Pfarrei nach Niederfeulen.
2. Niederfeulen wollte nicht länger als Filiale betrachtet werden.
3. Die Pfarrei trug und trägt den Namen “ Pfarrei Oberfeulen”.
4. Die Pfarrkirche von Oberfeulen.
5. Der Kirchenrat von Oberfeulen.
6. Die Kirchenfabrik von Oberfeulen.
7. War der Kaplan nun Vikar an der Pfarrkirche oder war er Kaplan von Niederfeulen?
Einem Brief des Bürgermeisters vom 26.November 1878, eigentlich nur ein Fragenkatalog an das bischöfliche Ordinariat, folgte ein zweites Schreiben, aus dem ganz klar die Absichten des Bürgermeisters hervorgingen. Pfarrer und Pfarrkirche sollten sich dort befinden, wo die Mehrheit der Pfarrkinder wohnt: Niederfeulen zählte 760 Einwohner, Oberfeulen 379. Die Antwort des Herrn Bischof brachte dem Bürgermeister aber nicht die gewünschte Aufklärung.
Am 21.Dezember 1880 richtete er nochmals einen Brief an das bischöfliche Ordinariat :“Im Voraus erkläre ich Ihnen, daß diese Zeilen sehr ernst gemeint sind”. In diesem Schreiben erteilte er dem Herrn Bischof eine geharnischte Lektion über Vikars-und Kaplansangelegenheiten, Stiftungen, Bination und nicht zu vergessen über die lästige Kaplangehaltszulage. Außerdem beklagt sich der Bürgermeister über das unvernünftige Verhalten der Gemeinderatsmitglieder von Oberfeulen, welche “ganz eigenmächtig den Verpflichtungen nicht mehr nachkommen wollen, die ihre Vorgänger im Einverständnis mit Niederfeulen eingegangen haben“.
In der Zwischenzeit gab es eine weitere Auseinandersetzung um das im Jahre 1839 von beiden Sektionen erworbene “Neue Heinzenhaus”, zu dieser Zeit Kaplanswohnung, ab 1980 Gemeindehaus. In dieser Sache wurde 1885, im Beisein des Generalvikars Bernard Krier, eine endgültige Vereinbarung getroffen:
1. Niederfeulen bewilligt dem Kaplan eine Gehaltszulage von 300 Franken.
2. Oberfeulen entrichtet jährlich 100 Franken für die Bination in der Pfarrkirche.
3. Die Reparaturarbeiten am Kaplanshaus sind ab heute einzig und allein zu Lasten von Niederfeulen.
4. Oberfeulen entsagt seinen Ansprüchen auf das Kaplanshaus zu Niederfeulen und erhält die gezahlte Summe von 1200 Franken zurück.
Am 18.August 1887 richteten der Schöffe und die beiden Mitglieder des Gemeinderates von Oberfeulen ein Schreiben an den Kirchenrat und an den General-Direktor des Innern und protestierten gegen die Verlegung der Pfarrei nach Niederfeulen, gegen den Abriss der alten Pfarrkirche und gegen die Veräußerung von kirchlichem Eigentum, im Interesse der Finanzierung einer neuen Pfarrkirche in Niederfeulen. Dieses Schreiben wurde in der Kirchenratsitzung vom 2. September 1887 mit 4 gegen 3 Stimmen positiv begutachtet. Dem Wunsch der Minorität nachkommend wurde anschließend der Beschluss der Mitglieder des Gemeinderates der Sektion Niederfeulen im Kirchenregister eingetragen, in welchem die im Protestschreiben angegebenen Gründe “auf das richtige Maß“ gebracht wurden.
In einem Schreiben vom 8.Februar 1891 an den Herrn Bischof, unterzeichnet vom Bürgermeister, von den Gemeinderäten, den Kirchenratsmitgliedern und 131 Dorfbewohnern mit einer beiliegenden, siebenseitigen Begründung des Gesuches, wurde um die “Verlegung der Pfarrkirche von der jetzigen Stelle nach Niederfeulen” nachgesucht. Die Antragsteller “erklärten sich zu diesem Behufe bereit, statt einer Kapelle für Niederfeulen, eine für die ganze Pfarrgemeinde hinreichende Kirche nebst gestandener Pfarrerswohnung auf Kosten ihrer Sektion Niederfeulen zu errichten, das Eine nur beanspruchend, dass ihnen beim Wegfall der alten Pfarrkirche, Materialien und Mobiliar derselben für die neue Kirche überlassen werden”.
Die Reaktion der Einwohner von Oberfeulen ließ nicht lange auf sich warten. Am 5. Juni 1891 richteten sie ein Protestschreiben an den Herrn Bischof, das von 71 Einwohnern unterschrieben war.
Regierung und Bistum gerieten immer mehr unter Druck und beschlossen die Einsetzung einer Kommission, bestehend aus den Herren Worré, Oberingenieur a. D. und Hw.H.Schmitz, Präses des Seminars in Luxemburg, welche zusammen mit den Gemeinderatsmitgliedern die Sachlage an Ort und Stelle untersuchten. Am 21.November 1891 befasste sich der Gemeinderat mit dem Vorschlag der Kommission, die Pfarrkirche an die Staatsstrasse von Nieder - nach Oberfeulen, beim Ausgange des Dorfes Niederfeulen, zu verlegen. Die 5 Räte der Sektion Niederfeulen sprachen sich gegen diesen Standort aus und schlugen eine andere Baustelle vor, gelegen in der Mitte des Dorfes. Die 3 Räte der Sektion Oberfeulen ihrerseits erklärten kategorisch, in keinerlei Weise in die Verlegung der Pfarrkirche einzuwilligen und keineswegs auf ihre langerworbenen Rechte zu verzichten.
Der Kirchenrat befasste sich am 1. Sonntag des Monats April 1893 zum letzten Mal mit der, wie im Bericht festgehalten wurde, “berüchtigten Kirchenfrage” und war einstimmig der Ansicht, “dass die alte Pfarrkirche unbehelligt soll stehen bleiben als Monumental - und als Kirchhofskirche, selbst in dem Falle wo die Pfarrei sollte verlegt oder getheilt werden, das Wegreissen des Baues verursachte einen ewigen Streit zwischen den Ortschaften Ober und Niederfeulen ; das aus dem Abtragen des Baues sich ergebende Material dürfte kaum die Kosten des Abtragens decken und könnte zu einem Neubau in Niederfeulen wenig nutzen. In einer neuen Kirche würden die alten Möbel der gegenwärtigen Kirche wenig oder schlecht passen. Die Einwohner von Oberfeulen werden nie einwilligen, dass man ihnen ihre Kirche in der Nähe wegnehmen um selbe viel weiter nach Niederfeulen zu setzen und die Oberfeulener zwänge nach Niederfeulen zur Kirche zu gehen. In jeder Beziehung, sowohl in materieller als auch in moralischer Beziehung wäre diese Verlegung der Pfarrkirche für die Oberfeulener von Nachtheil. Sie wären bedeutend weiter von der Pfarrkirche entfernt; ihre Männer und Jünglinge müssten an vielen Wirtshäusern vorüber, was ein nicht zu unterschätzender Übelstand ist, indem in der Nähe der neu zuerbauenden Kirche jetzt schon vier Wirtshäuser stehen, während frei im Felde und auf dem Friedhof natürlich diese böse Gelegenheit nicht besteht. Auch für den Fall eines Leichendienstes wäre der Umstand, dass keine Kirche mehr auf dem Friedhof ist, für die Oberfeulener höchst umständlich, Zeit- und Geldraubend und weniger tröstlich; Sie müssten zuerst auf den Friedhof zum Begräbnis und dann nach Niederfeulen zum feierlichen Leichendienst usw. während bei der gegenwärtigen Lage der Dinge sowohl die Niederfeulener als wie auch die Oberfeulener ihre Befriedigung finden, indem sie gleich beim Begräbnis auch dem Leichendienst beiwohnen können in der Nähe ihrer Gräber, was für alle ein Trost ist und überall wünschenswerth................Unterzeichnet von den Kirchenratsmitgliedern Koder, Bormann, Reiser, Schaul, Berns, Klemes, Pfarrer Reuter”.
Am 19. Januar 1894 erwarb die Gemeinde von den Eheleuten Ahnen-Neu einen Garten von 10 Ar für die Erbauung einer neuen Kirche zu Niederfeulen, stoßend an die alte Kapelle einerseits und an den “Bongertspad” andererseits, zwischen Wampach und dem Gemeindeplatz, zum Preis von 1600 Franken.
Der Nachbar G. Wampach stellte einen Teil seines Gartens zur Verfügung, wogegen er den Platz der Sakristei der alten Kapelle erhielt. Neun weitere Akten betreffend die Verlegung und Verbreiterung des “Bongertspad” fehlen sowie die Urkunden über den Tausch von der Sakristei und der alten Kapelle und den Kauf von Grundstück betreffend den Vorplatz der Kirche. Diese Ankäufe wurden ohne die Einhaltung der gesetzlichen Prozedur getätigt und sofort in bar bezahlt. Die Akten mit den respektiven Plänen sollten sofort nach der Genehmigung in der Amtstube des Herrn Notar Trausch hinterlegt werden, dies wurde jedoch unterlassen.
Der Distriktsarchitekt Knepper aus Diekirch wurde mit der Ausarbeitung der Baupläne und Kostenanschläge beauftragt. Er entwarf eine einschiffige Kirche in sehr vereinfachten gotischen Stil. Bereits am 8. Juli 1894 genehmigte der Gemeinderat dieses Projekt, jedoch nur mit den Stimmen der Räte der Sektion Niederfeulen. Die Pläne wurden zur Kontrolle an den Staatsarchitekten Charles Arendt geschickt, der sie kurzerhand an den Dom-Architekten von Metz zur Begutachtung weiterleitete. Am 28 Oktober 1894 beschloss der Gemeinderat, die hohe Landesregierung um baldige Genehmigung der Pläne zu bitten.
In der Gemeinderatssitzung vom 8. Januar 1895 fand die Vergebung der in Lose aufgeteilten Arbeiten statt. Das erste Los wurde Dominik Scheiden aus Bonnal zugesprochen, das vierte Los erhielt Majerus Nicolas aus Niederfeulen, während die Lose 2 und 3 keinen Zuschlag fanden. Sämtliche Unterlagen betreffend Vertragsbedingungen oder Art der Arbeiten dieser beiden Lose fehlen. Die Kosten des Neubaus veranschlagte man mit schätzungsweise 45.000 Franken.
Das Abnahmeprotokoll der Kirche vom 1.8.1897 ergab eine Ausgabe von 50.000 Franken, inklusive Architektenhonorare, also eine Mehrausgabe von 5.000 Franken.
Die drei Glocken wurden bei Bour und Guenser, eine Glockengießerei in Metz, gegossen und am 11.August 1896 geliefert. Die große Glocke, in mi, wiegt 793,5 kg, die zweite, in fa dièse, wiegt 551 kg, die dritte, in sol dièse, 378,5 kg. Die Glocken wurden von zwei Fachleuten, den Herren P.Barthel, Gesanglehrer an der Normalschule in Luxemburg und Dr. C.Aschmann, Chemiker an der Ackerbauschule in Ettelbruck geprüft. Die Kosten beliefen sich auf 4.738,25 Franken.
Obwohl der Glockenguss ein feierlicher Akt war, zu welchem nach uraltem Brauch Pfarrer und Gemeinderat eingeladen wurden, darüber schweigen in diesem Fall die Archive.
Ein Dokument aus dem Jahre 1896 beweist die Übergabe der Schlüssel durch den Bürgermeister J.Koder an die geistliche Obrigkeit.
“Im Namen der Sektion von Niederfeulen, welche wir die Ehre haben zu vertreten, überreichen wir hiermit der hohen geistlichen Obrigkeit die Schlüssel der neuen Kirche zur Benutzung dieses Bauwerkes. Schon seit langen Jahren ging die Sektion Niederfeulen mit dem Gedanken um die alte, feuchte und viel zu kleine Kapelle durch eine neue, schöne und würdige Kirche zu ersetzen. Der edle und erhabene Zweck, welcher das Gebäude erfüllen soll, hat es uns zur Pflicht gemacht, weder Mühe noch Opfer zu scheuen, um ihm den Carakter von Größe und Solidität zu geben, welcher seiner hohen Bestimmung zukommt. Wir haben die feste Zuversicht, dass wir den beabsichtigten Zweck erreicht haben, indem unser Gebäude alle gewünschten Garantien von Stärke, Eleganz und Zweckmäßigkeit bietet. Möge die geistliche Obrigkeit Jahrhunderte hindurch unser Werk benutzen und dort, von Geschlecht zu Geschlecht, den Geist des Glaubens und der Frömmigkeit der Bevölkerung befördern und ausbreiten.
Niederfeulen, den 24.September 1896
Der Bürgermeister,
J. Koder”
Mit der offiziellen Übergabe der Schlüssel war die neue Kirche jedoch noch nicht fertig gestellt. Die Arbeiten im Innern des Gebäudes mussten weitergeführt werden.
Am 7. Oktober 1897 lieferte der Geschäftsmann Reckinger aus Wiltz einen großen Holzofen auf Rechnung der Kirchenfabrik von Oberfeulen.
Am 2. Januar 1898 ließ der Gemeinderat die drei Eingangstüren im Innern der Kirche in Regiearbeit in der Schreinerei Heintz in Diekirch anfertigen.
Das Mobiliar, d.h. Hauptaltar und Seitenaltäre, sowie auch das später gelieferte Mobiliar, wurde in der Kunstschreinerei Karl Dörr in Saulgau/Württemberg angefertigt. Die Altäre wurden zwischen 1898 und 1900 aufgestellt, die Kanzel im Jahre 1910 zum Preis von 1.750 Franken, während die beiden Beichtstühle erst 1929 zum Preis von je 4.200 Franken in Auftrag gegeben wurden. In der Kirchenratssitzung vom 20. Januar 1929 machte Pfarrer Lamberty einen Vorschlag über die Kostendeckung der Beichtstühle, der mit 5 Stimmen gegen eine angenommen wurde: Statt einer Neuverpachtung der Stühle schlug er eine hundertprozentige Erhöhung der letzten Versteigerungspreise vor. Diejenigen Anpächter, welche das Doppelte des bisherigen Preises nicht bezahlen wollten, mussten vor dem 30. Januar ihren Stuhlplatz kündigen. Das auf der Bank Werling zu Ettelbruck deponierte Vermögen der Kirche von Niederfeulen in Höhe von 6.550 Franken und der Ertrag der Stuhlplätze der Jahre 1928 und 1929 wurden für die Bezahlung der Beichtstühle verwendet.
Das ganze Mobiliar besteht aus Serienanfertigungen im neogotischen Stil ohne großen künstlerischen Wert.
Die Empore wurde im Jahre 1901 vom Schreinermeister Mathias Linster-Theis aus Ettelbruck angefertigt Der Gesamtpreis von 2.837,19 Franken begreift Erdarbeiten, Fundamentmauerwerk, Hausteine von Gilsdorf, Zimmerarbeiten, Schreinerarbeiten, Geländer, Schlosserarbeiten und Mosaikplättung um die gusseisernen Säulen.
Im Jahre 1902 lieferte derselbe Schreiner fünf Kirchenbänke mit einer Länge von jeweils 4 Metern und eine Bank mit einer Länge von 3,25 Metern zum Gesamtpreis von 601,48 Franken.
Im Laufe des Jahres 1901 fertigte der Bildhauer Nicolas Rettinger aus Ettelbruck zum Preis von 65 Franken das Chronogramm über dem Hauptportal an mit folgendem Wortlaut:
VIRTVTIBVS ORNATI LAPSIQVE CONCVPISCITE
DOMINO IESV IN ATRIA EIVS (1896)
Mit Tugenden geschmückt oder gefallen,
sehnt Euch nach dem Herrn Jesus, wenn Ihr in sein Haus kommt (1896)
Die 14 Konsolen in der Taufkapelle stammen ebenfalls aus der Werkstatt des Bildhauers Rettinger.
Die Dekoration der Kirche übernahm der Malermeister Braun aus Trier. Diese Vergabe geschah nach vorgelegten und vom Gemeinderat angenommenen Zeichnungen ohne Anfertigung eines Kostenanschlags des Staatsarchitekten. Zwischen Bürgermeister und Malermeister Braun kam es während den Arbeiten zu Meinungsverschiedenheiten, sodass der Kirchenrat die Vollendung der Arbeiten und die Zahlung einer Summe von 1.400 Franken übernahm. Am 23.Juni 1900 erstattete die Gemeindekasse der Kirchenfabrik diesen Betrag zurück.
Der Distrikts-Architekt erstellte am 9.Mai 1904 einen Bericht über die Dekorationsarbeiten in der Kirche zu Niederfeulen, der wie folgt lautete:
“Auf Ersuchen der Gemeinde-Verwaltung von Feulen hat der Unterzeichnete die vom Decorations-Maler Herrn Dom. Braun aus Trier ausgeführten Malerarbeiten in der Kirche zu Niederfeulen einer Prüfung unterzogen und stellte folgendes fest:
Die Maler Arbeiten wurden in Kaseïnfarben hergestellt.
Unter den Fenstern läuft ein mehrfarbiger Fries in der ganzen Ausdehnung der Kirche. Unten, etwa 1 m 20 über dem Boden ist ein grünlicher Teppich angebracht, während der obere Teil der Mauerflächen in gelblichem Steinton in Quaderform hergestellt ist. In der Mitte der Steinquadern befindet sich eine kleine farbige Rosette. Die Fensternischen sind ebenfalls in Quaderform hergestellt, aber ohne jede Ornamentierung.
Im Gegensatz der einfach gehaltenen Decke des Schiffes ist die Decke des Chores reicher gehalten mit gemalten stilistischen Blumen in den Gewölbezwinkeln. Die Gurtbogen zwischen den Säulen sind mit einem friesartigen, mehrfarbigen Motiv bedeckt. Ebenso enthält der Triumphbogen in seiner ganzen Ausdehnung ein mehrfarbiges reiches Friesornament.
Die Säulen sind mit einem netzförmigen mehrfarbigen Ornamentmotiv in Rautenentwicklung mit Rosetten in der Mitte überspannt und sind die Kapitäle mit reicher buntfarbiger Einfassung gehalten.
Die Südwand wurde mit den Bildern der heiligen Cäcilia und des heiligen Gregorius in reicher Polykromirung ausgeschmückt.
Die ganze Malerei ist in warmen Tönen in einfacher Weise in den Formen der Frühgothik, des Styles der Kirche, hergestellt und macht die harmonische Zusammenwirkung der Farben einen sehr günstigen Eindruck. Die Farben scheinen sehr haltbar zu sein “.
Nach der Fertigstellung der neuen Kirche wurde die alte Kapelle nicht mehr zur Abhaltung von Gottesdiensten benutzt, so dass der Gemeinderat am 8.Januar 1898 beschloss, den Turm abzutragen, die Sakristei dem Nachbar G.Wampach zu überlassen und den restlichen Teil in eine Molkerei umzuwandeln. Das bischöfliche Ordinariat sprach sich jedoch gegen dieses Vorhaben aus, schließlich diente die Kapelle während 150 Jahren als Gotteshaus. Am 29. März 1898 beriet der Kirchenrat in dieser Angelegenheit und war anfänglich gegen dieses Projekt, beugte sich aber “um des lieben Friedenswillen” dem Willen der Einwohner, die am 13. Februar 1898 von der Gemeinde um ihre Meinung befragt wurden. Die geheime Abstimmung von 52 der gegenwärtigen stimmberechtigten Hausvorsteher und Gemeindewähler ergab folgendes Ergebnis:
Frage 1: Umwandlung der Kapelle in eine Schule stimmten 48 dagegen und 3 dafür.
Frage 2: Gänzliche Niederreißung waren 35 dagegen, 13 dafür und 2 ungültige Zettel.
Frage 3: Verwendung zu einer Molkerei waren 48 dafür, 3 dagegen und ein weißer Zettel.
Obwohl diese Kapelle bereits 1891 vom Gemeinderat als baufällig erklärt worden war, so ist im Gemeinderatsbericht vom 8. Januar 1898 zu lesen “dass dieser Bau viel zu solide und stark ist um ohne weiteres abgetragen zu werden; vielmehr durch zweckmäßige, nicht allzu kostspielige Reparaturen zu verschiedenen anderen Zwecken dienen kann”. Der Unternehmer Franz Betz aus Erpeldingen wurde mit den Umänderungsarbeiten der Kapelle in eine Molkerei beauftragt und dieselbe wurde dann, nach Abschluss der Arbeiten, der neu gegründeten Molkereigenossenschaft für 12 Jahre zur Verfügung gestellt.
Dieses Molkereigebäude wurde nach der Fertigstellung der neuen Primärschule Anfang der sechziger Jahre abgetragen.
Bleibt noch zu erwähnen, dass am 31.Dezember 1897 zwischen dem Uhrmachermeister Adam Strauss aus Redingen, eine der bekanntesten Uhrmacherfamilien des Luxemburger Landes, und dem Gemeinderat von Feulen sowie dem Ausschuss des früheren Gesangvereins von Niederfeulen, vertreten durch die Herren Ambroise, Majerus und Wampach, ein Kontrakt zur Errichtung einer Kirchturmuhr zum Preis von 1800 Franken abgeschlossen wurde. Der frühere Gesangverein stiftete dazu 950 Franken, der neugegründete Feuerwehrverein gab 200 Franken dazu, sodass die Gemeinde nur noch den Restbetrag zu zahlen hatte. Dieser wurde aus der Gemeindekasse zu Lasten der Sektion Niederfeulen gezahlt.
Das Aufziehen der Turmuhr besorgte vorerst Johann Schanck aus Niederfeulen, eine Arbeit, für die der Gemeinderat ihm eine jährliche Entschädigung von 75.-Franken gewährte.
Diese Uhr musste jeden Tag aufgezogen werden, eine Aufgabe, die später vom Dorfschmied Henri Besenius aus Niederfeulen und anschließend ab 1931 von seinem Sohn Charles Besenius übernommen wurde. Charles Besenius verrichtete diesen Dienst tagtäglich während mehr als 50 Jahren, d.h. er stieg jeden Tag die 53 Stufen hoch und 53 Stufen zurück: ein Gesamttotal von nahezu zwei Millionen!
Der Patron der beiden ersten Kapellen, der hl. Rochus, wurde beibehalten. Rochus gehört zwar nicht zu den klassischen 14 Nothelfern, wird aber in manchen Gegenden dazugezählt, da er vor Jahrhunderten einer der beliebtesten Pestpatrone war. Rochus wird oft gemeinsam mit Sebastian als Pestheiliger dargestellt, meistens ist er mit Hut und Bart abgebildet, auf vielen Darstellungen zeigt Rochus eine Pestbeule an einem Bein.
Sehr interessant und in der heutigen Zeit kaum vorstellbar war die Finanzierung dieses Gebäudes. In seiner Sitzung vom 6.Mai 1895 beschloss der Gemeinderat, eine Anleihe von 35.000 Franken zu Lasten der Sektion Niederfeulen aufzunehmen unter dem Namen “Anleihe der Gemeinde Feulen”, zum Zinsfuss von drei und ein halb Prozent für die Dauer von 60 Jahren (1896 bis 1956) . Die Anleihe bestand aus 350 Schuldbriefen (obligations au porteur) zu je 100.- Franken mit angehefteten Zinsencoupons zu 3,5 %, welche alljährlich am 1. Juli nebst den verlosten Schuldtitel zur Auszahlung gelangten. Der Schöffenrat beauftragte den Gemeindeeinnehmer Peter Bissener mit der Einkassierung sowie mit der Auszahlung der Zinsencoupons und der jeweils fälligen Schuldtitel. Für Mühe und Verantwortlichkeit erhielt er eine Globalentschädigung von 150 Franken. Erwähnenswert ist, dass die Kirchenfabrik von Oberfeulen 160 dieser Schuldtitel kaufte. Am 1.Juni 1896 schritt das Schöffenkollegium zur Verlosung der am 1.Juli 1896 heimzuzahlenden Schuldtitel.” 350 Zettel, numeriert von 1 bis 350 einschliesslich, die 350 Schuldtitel der Anleihe darstellend, gleichmässig gefaltet, wurden in eine mit einem Deckel versehene, blecherne Büchse getan und gut durcheinander gerührt. Dann wurde durch den Herrn Bürgermeister die laut dem Plane der besagten Anleihe am 1.Juli 1896 heimzuzahlende eine Nummer gezogen. Das Loos fiel auf die Nummer “vierzig”. Hierauf wurde die Büchse, die bleibenden drei hundert neun und vierzig Nummern enthaltend, verschlossen und mit dem Amtssiegel der Gemeinde, sowie mit dem Privatsiegel des Herrn Johann Berns, Schöffe, bis für das nächste Jahr 1897 versiegelt “.
Die sieben letzten Schuldtitel wurden im Jahre 1956 ausbezahlt. Die Schulden betreffend den Bau der neuen Kirche in Niederfeulen waren beglichen, die Pfarrkirche blieb erhalten und den Streitigkeiten zwischen den beiden Sektionen wurde ein Ende gesetzt.
Quellennachweis:
National Archiven
Sekretariat und Archiven des Bistums
François Decker Feulen 963-1963
Pfarr- und Kirchenratsregister
Gemeinderatsregister und Gemeindearchiven
100 Joer Nidderfeelener Kiirch 1897-1997
Ein spezieller Dank gebührt Herrn Nicolas Link für die mit viel Fleiß und Ausdauer ausgeführten Nachforschungen.